Das Verbandsklärwerk „Obere Lutter“
1. Einleitung
Das Verbandsklärwerk „Obere Lutter“,
Niehorster Str. 254, 33334 Gütersloh ist eine Einrichtung des Abwasserverbandes
„Obere Lutter“ (AOL).
Der AOL ist ein Wasser- und
Bodenverband im Sinne des neuen Wasserverbandsgesetzes vom 12.02.1991.
Gegründet wurde er am 19.01.1965. Mitglieder dieses in Ostwestfalen gelegenen
Verbandes sind die Städte Bielefeld mit 86 % und Gütersloh mit 14 % Anteilen.
Die Aufgabe des AOL ist es, Abwasser in
den verbandseigenen Sammlern aus den Mitgliedsgemeinden abzuleiten und in dem
Verbandsklärwerk „Obere Lutter“ zu reinigen. Hierzu betreibt der AOL seit 1967
ca. 20 km Sammler und das Verbandsklärwerk mit einer Ausbaugröße von 380.000 EW
(90.000 Einwohner und 290.000 Einwohnergleichwerte).
Angeschlossen sind zur Zeit ca. 80.000
Einwohner und 170.000 Einwohnergleichwerte.
Bei Trockenwetter wird zur Zeit eine
Abwassermenge von ca. 20.000 m³/Tag gereinigt.
2. Die technischen Einrichtungen des Verbandsklärwerks „Obere
Lutter“
Wie in dem Lageplan
zu erkennen ist, wird das Abwasser zunächst in einer Siebrechenanlage
(Stufenrechen) vorgereinigt. Das anfallende Rechengut wird automatisch
gewaschen, entwässert und mit einem Sammelbehälter zur Verbrennung verbracht.
Nach dieser mechanischen Vorreinigung
muss alles Abwasser mittels trocken aufgestellter Kanalpumpen ca. 7 m
hochgefördert werden. Das Abwasser durchläuft nun in freiem Gefälle einen
belüfteten Sandfang mit Fettfangkammern. Die Aufenthaltszeit beträgt
hier im Mittel 14 Minuten und im Minimum 8 Minuten.
In den 4 Vorklärbecken mit
insgesamt 3000 m³ Größe werden der Rohschlamm (Primärschlamm und
Überschussschlamm aus der 1. und 2. biologischen Stufe) und auch Schwimmschlamm
abgeschieden.
Die hochbelastete 1. biologischen
Stufe mit 5.000 m³ Reaktorvolumen und 5.880 m³ Absetzvolumen baut ca. 75%
des im Ablaufs der Vorklärung enthaltenen Kohlenstoffs ab.
Eine Nitrifikation findet in dieser 1.
biologischen Stufe nicht statt. Im Ablauf der 1. biologischen Stufe liegt der
gesamte Stickstoff als Ammoniumstickstoff vor. Wegen des hohen Anteils aus der
Industrie werden Stickstoffwerte von bis zu 80 mg/l gemessen.
Aus technischen Gründen -
unkontrollierte Denitrifikation in den damaligen Nachklärbecken - wurde bei der
Erweiterung des Verbandsklärwerks im Jahre 1984 der neuen 2. biologischen
Stufe eine Denitrifikation mit einem Volumen von 2.200 m³
vorgeschaltet. Die Reaktoren der 2. biologischen Stufe haben ein Gesamtvolumen
von 9.200 m³.
Wie in der 1. biologischen Stufe, so
erfolgt auch in der 2. biologischen Stufe die Sauerstoffzufuhr über
Mammutrotoren. Zur Rückhaltung der Biomasse sind insgesamt 16 Nachklärbecken
mit einem Gesamtvolumen von 12.480 m³ vorhanden.
Die Analyse des Ablaufs der 2.
Biologischen Stufe ergibt folgende Durchschnittswerte:
|
CSB: |
ca. 50 mg/l |
|
BSB5 |
ca. 5 mg/l |
|
NH4-N: |
< 10 mg/l |
|
NO3-N: |
ca. 10 mg/l |
|
PO4-P: |
ca. 1,5 mg/l |
Da sich durch den Wegfall eines
Indirekteinleiters mit hohen Stickstoff-Frachten die Stickstoffbelastung des
Klärwerks erheblich reduzierte, kann zwischenzeitlich durch alternierende bzw.
simultane Fahrweise der zweiten biologischen Belebungsstufe die
Stickstoffkonzentration weitgehend abbauen.
Um auch bei hohen
Nitratfrachten eine ausreichenden Abbau dieses Nitrats zu gewährleisten, ist
die 1997 in Betrieb genommene Festbettdenitrifikation weiterhin im Einsatz.
Bei der Bemessung dieser
Denitrifikationsanlage, die aus 8 Festbettkammern mit jeweils 5 m Schütthöhe
und 37,5 qm Oberfläche besteht, wurde seinerzeit nicht die
Stickstoffspitzenfracht im Klärwerkszulauf kalkuliert, sondern der damalige Stickstoffmittelwert
zugrundegelegt.
Dies konnte deshalb so durchgeführt
werden, weil aus vorhandenen Becken zwischen der 1. biologischen Stufe und der
2. biologischen Stufe Zwischenspeichereinrichtungen für fast 10.000 m³
vorgereinigtem Abwassers kostengünstig realisiert werden konnten.
Für die Denitrifikation wurde damals die
nachgeschaltete Festbettvariante gewählt, da mittels Kostenbarwertmethode die
Wirtschaftlichkeit dieses Verfahrens für den AOL nachgewiesen werden konnte.
Ein weiteres Kriterium für die Wahl dieses Verfahrens war darin zu sehen, dass
bei einem Industrieanteil von 71 % im Zulauf des Klärwerks es als sinnvoll
erscheint, wenn stickstoffrückhaltende Maßnahmen auch bei den
Industrieeinleitern und nicht nur auf dem Klärwerk durchgeführt werden.
Bereits seit 1992 betreibt der AOL eine
Flockungsfiltrationsanlage vom Typ Biofor mit 10 Kammern von jeweils 40
qm. Dadurch konnten seitdem die Überwachungswerte für CSB, BSB5,
Ammonium-Stickstoff und Phosphor sicher eingehalten werden.
Vor Inbetriebnahme der nachgeschalteten
Festbettdenitrifikation war die Flockungsfiltration der 2. Biologischen Stufe
direkt nachgeschaltet.
Seit Inbetriebnahme der
Denitrifikationsanlage übernimmt sie nun die Abwässer aus der Denitrifikation.
Es ist dadurch sichergestellt, dass ein feststofffreier Ablauf in die zwei Schönungsteiche,
die dem Vorfluter noch vorgeschaltet sind, eingeleitet werden kann. Das Volumen
der Schönungsteiche beträgt insgesamt 42.640 m³.
Die anaerobe Schlammbehandlung auf dem
Verbandsklärwerk „Obere Lutter“ erfolgt in drei Faulbehältern mit einem
Gesamtvolumen von 12.200 m³, so dass eine Ausfaulzeit von 24 Tagen erreicht
wird.
Nachgeschaltet sind diesen
Faulbehältern vier Schlammspeicherbehälter mit zusammen 6.400 m³ und ein
Nacheindicker mit 1.780 m³.
Aus diesem Nacheindicker wird der
eingedickte Faulschlamm entnommen, mit Polymeren konditioniert und mittels
zweier Kammerfilterpressen auf einen Feststoffgehalt von etwas über 30 %
entwässert. Nach einer Nachkalkung zur Verbesserung der Akzeptanz in der
Landwirtschaft und zur Verbesserung der Lagereigenschaften wird der
Klärschlammfilterkuchen in einer geschlossenen Lagerhalle mit 4 Kammern
a 2.000 m³ gelagert.
Während dieser Lagerung wird die
entstehende Abluft abgesaugt und zusammen mit der Abluft aus den sonstigen
abgedeckten Klärwerkseinrichtungen in einem chemischen Wäscher
gereinigt.
Nach der Lagerung des Klärschlammes
über einen Zeitraum von ca. 7 Monaten kann eine Erhöhung des Trockenrückstands
auf über 40 % festgestellt werden.
Der gesamte anfallende Klärschlamm wird
landwirtschaftlich verwertet.
Die Verwertung des auf dem Verbandsklärwerkes
„Obere Lutter“ anfallenden Klärgases erfolgt in sechs BHKW-Modulen mit 1.000 kW
elektrischer Gesamtleistung. Einige dieser Module sind auch wahlweise mit
Erdgas zu betreiben.
3. Zusammenfassung
Eine Besonderheit des Verbandsklärwerks
„Obere Lutter“ ist der für ein kommunales Klärwerk hohe industrielle Anteil von
71 %. Da ein großer Teil der angeschlossenen Industrie organisch
hochbelastete Abwässer einleitet, sind die für die Bemessung eines Klärwerks
wichtigen Parameter wie CSB, BSB5, Stickstoff besonders hoch.
Gemessen wurden im Zulauf folgende
Werte:
|
CSB |
800 – 2.500
mg/l |
|
BSB5 |
600 - 900 mg/l |
|
Nges. |
30 - 80 mg/l |
|
PO4-P |
6 - 25 mg/l |
Um
die geforderten Überwachungswerte von
|
CSB |
60 mg/l |
|
BSB5 |
12 mg/l |
|
NH4-N |
3 mg/l |
|
N-ges.anorg |
14 mg/l |
|
PO4-P |
0,7 mg/l |
|
AOX |
0,1 mg/l |
einhalten zu können, hat sich die Vielstufigkeit
des Verbandsklärwerks „Obere Lutter“ bewährt.
Für eine effektive Planung der Denitrifikation
hat der AOL einen besonders hohen Aufwand betrieben und zunächst einmal eine
herkömmliche vorgeschaltete Denitrifikation zusammen mit einer nachgeschalteten
Festbett-Denitrifikation nach einem europaweiten Bieterwettbewerb
beschränkt ausgeschrieben. Dieses aufwendige Verfahren wurde mittels einer
Wirtschaftlichkeitsberechnung nach der Kostenbarwertmethode ausgewertet.
Es hat sich hierbei gezeigt, dass in
dem speziellen Fall des Klärwerks „Obere Lutter“ die nachgeschaltete
Denitrifikation im Festbett mit der Zugabe von externen Kohlenstoff sinnvoll
ist. Verstärkt wurde diese Entscheidung noch dadurch, dass bei diesem gewählten
Verfahren jeder Eingriff bei der Industrie, sei es eine Verminderung der
Stickstofffracht in dem Betrieb oder aber - was auch nicht auszuschließen ist -
der Wegfall eines industriellen Einleiters sofort zu monetären Verbesserungen
für den AOL führt.
Die aktuelle Minderung der Auslastung
unseres Klärwerks konnte diese Entscheidung nur unterstreichen.